12.04.2021 Aus der Praxis, InnoSüd

Vermittlung von Finanzwissen – Digitale Darstellungsformen im Praxistest

Finanzwissen ist auch schon für Jugendliche wichtig. Doch wie kann es geeignet vermittelt werden? Damit setzte sich InnoSÜD auseinander.

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Quelle: InnoSüd

Die Herausforderung

Finanzieller Analphabetismus ist in der jungen Generation Z stark verbreitet. Die wenigsten Jugendlichen wissen, was Dispokredite, Aktien oder ETFs sind. Aus diesem Unwissen heraus treffen viele junge Menschen Fehlentscheidungen in ihrem Konsum- und Sparverhalten, die zu Überschuldung bereits in jungen Jahren führen können. Vor allem im Hinblick auf den demografischen Wandel und der daraus resultierenden Rentenlücke sind solche Fehlentscheidungen fatal. Zum Schutz vor Altersarmut im Ruhestand wird private Vorsorge immer wichtiger. Um Zinseszinseffekte auszunutzen und von den über die lange Frist stetigen Wertezuwachs von Unternehmensanteilen und Fonds zu profitieren, ist es ratsam, sich so früh wie möglich mit dem Thema Finanzen und damit verbundenen Entscheidungen zu befassen. Informationen hierzu existieren vor allem im Internet zu genüge. Dennoch ist die Generation Z schlecht informiert, da sie sich von vorliegenden Informationsangeboten nicht angesprochen fühlen und keinen Zugang zur Thematik finden. Hier möchte InnoSÜD Abhilfe schaffen und hat innovative Methoden der Wissensvermittlung evaluiert, um daraus neue wirkungsvolle Darstellungsformen zu entwickeln.

Die Lösung

Das InnoSÜD-Teilprojekt „Media Innovation Lab“ untersucht, inwiefern innovative digitale Darstellungsformen dazu beitragen können, junge Menschen dazu zu bewegen, sich mit Finanzthemen auseinanderzusetzen. Eine vom Lab durchgeführte qualitative und eine darauf aufbauende, für Deutschland repräsentative quantitative Studie lieferten Anhaltspunkte dafür, was der Generation Z bei der Informationssuche im Finanzbereich wichtig ist und welche Darstellungsformen sie bei der Wissensbildung aktivieren und unterstützen könnten. Unter anderem haben sich die Darstellungsform interaktive Infografik und Erklärvideo als potenziell geeignet hervorgetan. Ein Test mit entsprechenden Prototypen unter Angehörigen der Generation Z sollte zeigen, ob sich die Erkenntnisse aus der Theorie auch in der Praxis bestätigen lassen.

Die Umsetzung

Ausgehend von den Erkenntnissen der qualitativen und quantitativen Studie wurde ein bestehendes Best Practice-Erklärvideo zum Thema Aktien vom Youtube-Channel simpleclub ausgewählt. Da das Ziel der Studie ausschließlich die Bewertung der Effektivität in der Wissensvermittlung und Gefallen beider Darstellungsformen ist, muss Homogenität in Tonalität, grafischem Stil, Aufbau und Storytelling und Informationen gewährleistet sein. In einer detaillierten Analyse wurden daher Inhalte, Lernziele, Ansprache und Design extrahiert, um diese im Infografik-Prototypen auf das Video abzustimmen und als potenzielle Störvariablen auf den Wissenszuwachs auszuschalten. Mithilfe von Adobe Xd konnte so schließlich eine interaktive Infografik mit identischen Inhalten erstellt werden. Die einzigen Unterschiede ergeben sich aus den Merkmalen der untersuchten Darstellungsformen: Das Erklärvideo enthält eine Audiospur mit gesprochenem Wort, sodass Nutzer bisensuell angesprochen werden. Die interaktive Infografik enthält interaktive Elemente, mithilfe derer Nutzer ein individuelles Erlebnis geboten wird. Schieberegler, Aktionsbuttons und weitere Elemente erlauben es Nutzern, mit dem System zu interagieren und sich Wissen explorativ anzueignen.

Das Finanzwissen sowie Medien und Darstellungspräferenzen wurde vor Konsum der zugewiesenen Darstellungsform abgefragt. Nach dem Konsum wurde erneut Finanzwissen abgefragt, um Aussagen über den Wissenszuwachs treffen zu können. Darüber hinaus wurden die Probanden befragt, inwiefern die konsumierte Darstellungsform den im Screening abgefragten Präferenzen entspricht.

Das Fazit

Die stringente Ausrichtung des Praxistests an vorangegangene Forschungsergebnisse der qualitativen und quantitativen Studie hat sich bei der Erstellung des standarisierten Fragebogens und des Prototyps als lohnend herausgestellt. Die relevante Vorarbeit war vor allem bei der Zusammenstellung der abzuprüfenden Kriterien hinsichtlich der Effektivität der Wissensvermittlung und den Medien- und Darstellungspräferenzen der jungen Zielgruppe unterstützend und hat so wertvolle Zeit gespart. In Zukunft wollen wir im „Media Innovation Lab“ weitere Prototypen evaluieren und aus den gewonnenen Erkenntnissen neue Darstellungsformen kreieren, welche die wirksamsten Eigenschaften untersuchter Darstellungsformen in sich vereinen. In künftigen Studien werden wir dabei eine größere Zahl an Prototypen je Umfrage zeitgleich abtesten, um Ressourcen zu sparen.